{"id":2819,"date":"2021-08-16T16:41:56","date_gmt":"2021-08-16T16:41:56","guid":{"rendered":"https:\/\/testavalems.opointzero.ch\/douleurs\/"},"modified":"2021-08-16T16:42:28","modified_gmt":"2021-08-16T16:42:28","slug":"douleurs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/beta.avalems.ch\/de\/douleurs\/","title":{"rendered":"Schmerzen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mehrere aktuelle Studien haben belegt, dass bei kognitiven St\u00f6rungen die Gefahr besteht, dass eine im Verh\u00e4ltnis zur Schmerzintensit\u00e4t unangemessene Schmerztherapie verabreicht wird. Dass sich die Ermittlung und Beurteilung von Schmerzen bei schwer demenzkranken Personen mit Kommunikationsst\u00f6rungen schwierig gestalten, ist allgemein bekannt, zumal sich Schmerzen bei dieser Patientenpopulation atypisch durch Verhaltens\u00e4nderungen ausdr\u00fccken k\u00f6nnen, etwa durch eine abrupte Verschlechterung bei den Aktivit\u00e4ten des t\u00e4glichen Lebens, akute Verwirrtheitszust\u00e4nde und verminderte Mobilit\u00e4t.&nbsp;&nbsp;(Piolino, Puppin, &amp; Yusuf, 2016)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Selbstermittlung der Schmerzintensit\u00e4t durch die demenziell erkrankte Person gilt als angemessenste Assessmentmethode, da man weiss, dass Pflegende und Angeh\u00f6rige Schmerzen tendenziell \u00fcber- oder unterbewerten. Zur Erh\u00e4rtung der geklagten Schmerzen muss deren Intensit\u00e4t deshalb evaluiert werden; ihr Schweregrad muss ebenso gemessen werden wie die Wirksamkeit der verabreichten Analgetika. Mehrere Studien haben nachgewiesen, dass demenziell erkrankte Bewohnerinnen und Bewohner zu Beginn der kognitiven Ver\u00e4nderungen in der Lage sind, Skalen zur Selbstevaluation von Schmerzen zu verwenden und dass eine derartige Erhebung der Schmerzintensit\u00e4t zuverl\u00e4ssige Werte liefert. Dabei muss man sich insbesondere Zeit nehmen, um der\/dem Betroffenen die Funktionsweise der Skala zu erl\u00e4utern, muss Dualtask-Situationen vermeiden, das passendste Instrument w\u00e4hlen und allf\u00e4llige Sinneseinschr\u00e4nkungen, z.&nbsp;B. betreffend das H\u00f6r- und Sehverm\u00f6gen, ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zur Erfassung von Schmerzen ist daher, wenn immer m\u00f6glich, eine Selbsteinsch\u00e4tzung der betroffenen Person zu erfragen. Oft aber k\u00f6nnen demenzkranke Menschen ihre Schmerzen nicht in Worten ausdr\u00fccken und lokalisieren, und sie erinnern sich nicht mehr daran, dass sie unter Schmerz gelitten haben. Die Evidenz zeigt, dass Schmerzen bei demenzkranken Personen h\u00e4ufig nicht erkannt und daher untertherapiert werden. Deshalb kommt der systematischen Beobachtung eine wichtige Funktion zu. Da Schmerzen sich als auff\u00e4lliges oder ver\u00e4ndertes Verhalten \u00e4ussern k\u00f6nnen, sollen strukturierte und bestm\u00f6glich evidenzbasierte Instrumente zur Erkennung schmerzbedingten Verhaltens eingesetzt werden.&nbsp;(SAMW\/ASSM, 2017).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Skalen f\u00fcr die Selbstevaluation<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00b7&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die verbale Rating-Skala (VRS) umfasst f\u00fcnf bis sechs Bewertungen f\u00fcr den Schmerzgrad, z.&nbsp;B. keine, leichte, m\u00e4ssige, starke, sehr starke, extrem starke Schmerzen. Sie wird in erster Linie bei kommunikationsf\u00e4higen Bewohnerinnen und Bewohnern eingesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00b7&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die visuelle Analogskala (VAS) besteht aus einer 10&nbsp;cm langen Linie, an deren Enden die Extremwerte der Schmerzempfindung vorgegeben sind: links \u00abkein Schmerz\u00bb, rechts \u00abst\u00e4rkste vorstellbare Schmerzen\u00bb; die Versuchsperson soll mithilfe eines Strichs angeben, wo der empfundene Schmerz zu einem bestimmten Zeitpunkt angesiedelt ist. Auf der R\u00fcckseite befindet sich meist eine numerische Skala mit Werten von 0 bis 10 oder von 0 bis 100.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00b7&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die Smiley-Analogskala oder Gesichterskala umfasst sechs bis sieben Gesichter, die zunehmend Schmerz ausdr\u00fccken. Das urspr\u00fcnglich f\u00fcr Kinder gedachte Modell wurde f\u00fcr geriatrische Patienten angepasst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00b7&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Das ESAS. Das Edmonton Symptom Assessment System geh\u00f6rt zu den in der Palliative Care g\u00e4ngigsten Skalen f\u00fcr die Selbstevaluation von Symptomen wie Schmerzen, Atemnot, Ersch\u00f6pfung, Somnolenz, Appetit, Angst, Depression, Wohlbefinden und dergleichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Skalen f\u00fcr Fremdevaluation oder Beobachtung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00b7&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Algoplus-Skala: Hierbei handelt es sich um eine verhaltensbasierte Skala zur Bewertung akuter Schmerzen bei \u00e4lteren Menschen mit St\u00f6rungen der verbalen Kommunikation. Sie wurde speziell f\u00fcr die Fremdevaluation akuter Schmerzen bei \u00e4lteren Menschen entwickelt und basiert auf somatischer Beobachtung, nicht auf Verhaltens\u00e4nderungen. Die Durchf\u00fchrung der Bewertung dauert weniger als eine Minute.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00b7&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die ECPA-Schmerzskala: es handelt sich um eine verhaltensbasierte Skala zur Fremdevaluation von Schmerzen bei nicht kommunizierenden \u00e4lteren Personen. Sie findet in F\u00e4llen Anwendung, in denen keine Selbstevaluation mehr m\u00f6glich ist. Sie verh\u00fctet, dass die Schmerzsymptomatik untersch\u00e4tzt wird, und gestattet die Ermittlung, Quantifizierung und weitere \u00dcberwachung der Schmerzen. Die Skala liefert schnell und wiederholt vergleichsweise zuverl\u00e4ssige Ergebnisse. Die Beurteilungszeit ist mit 1 bis 5 Minuten (je nach \u00dcbung) sehr kurz. Aufgrund der hohen Zuverl\u00e4ssigkeit der Skala reicht eine einzige beurteilende Person aus.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Beurteilung der Schmerzst\u00e4rke wird, soweit die Kommunikationsf\u00e4higkeit und die kognitiven Einschr\u00e4nkungen der betroffenen Person es zulassen, erg\u00e4nzt durch eine umfassende Anamnese \u2013 einschliesslich der Lokalisierung, des (qualitativen) Charakters und der Ausstrahlung der Schmerzen \u2013, die Suche nach Ausl\u00f6sern, verschlimmernden oder lindernden Faktoren sowie die Abkl\u00e4rung, ob eine Depression oder Angstst\u00f6rung vorliegt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mehrere aktuelle Studien haben belegt, dass bei kognitiven St\u00f6rungen die Gefahr besteht, dass eine im Verh\u00e4ltnis zur Schmerzintensit\u00e4t unangemessene Schmerztherapie verabreicht wird. 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